P Ein leicht linksschiefes "P", rechts tangential auf einen Kreis aufgestellt, ist das Symbol des Volkseigenen Betriebes (VEB) Plasta in Berlin-Erkner, der in den 50er Jahren Bakelit verarbeitete - vermutlich mit Anlagen der alten Bakelite AG, die dort ansässig war. Stücke mit dieser Pressmarke stammen aus der Zeit nach 1949. |
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PAG Abkürzung für: Presswerk-AG. Das Unternehmen, das in Essen ansässig war, produzierte spätestens ab 1937 unter dem Handelsnamen Thesit Bakelitartikel. |
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PAGOL Handelsname für Synthesekautschuk der Pahlschen Gummi- und Asbestgesellschaft in Düsseldorf. |
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PANTOLIT Gusskunstharz (Edelkunstharz) der Augsburger Kunstharzfabrik AG in Augsburg. Hergestellt seit den 30er Jahren. |
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PARKESIN Vorläufer des Zelluloids. Auf der zweiten Großen Internationalen Ausstellung in London im Jahr 1862 wurde eine plastische Masse vorgestellt. Ihr Erfinder, Alexander Parkes, hatte sie aus nitrierter und mit Schwefelsäure behandelter Baumwolle zusammengekocht und mit Öl und Kampfer weich und formbar gemacht. Dieses Rezept kommt dem späteren Rezept für Zelluloid bereits sehr nahe - in der Praxis aber gab es Schwierigkeiten: Die Kunden reklamierten das Parkesin, weil es sich schnell verformte oder riss. Die kunsthandwerkliche Qualität der Objekte und die Produktvielfalt stehen jedoch einzigartig dar. Hergestellt wurden unter anderem Medaillons, Kämme, Messergriffe, Kästchen und Federhalter, hell, transparent, gefärbt und oft aufwändig verziert. Schon 1868 wurde die Produktion eingestellt. |
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PEDE Abkürzung für: Peter Dienes, Remscheid. Die Firma stellte Mahlwerke und Mühlen her, u.a. mit Bauteilen aus Bakelit und Pollopas. |
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PEFRA Abkürzung für: Firma Peter Franken, Düsseldorf.Bekannt wurde der simple Einkochapparat "Das Wunder", dessen pistolenförmiger Griff aus Bakelit gemacht ist. |
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PEHALIT Handelsname für Bakelit des Presswerkes Herscheid. |
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PELIKAN Hersteller von Büro- und Schreibartikeln. Keimzelle der Firma ist eine Tintenfabrik, die der Chemiker Carl Hornemann im Jahr 1832 gründete. Die Jubiläen beziehen sich aber auf das erste erhaltene Preisblatt vom 28. April 1838. Kunststoffsammler haben besonders oft mit den Pelikan-Farbbanddosen aus Bakelit zu tun, die häufiger auf Flohmärkten auftauchen. Die Dosen, auf denen der Pelikan nur als Umrisszeichnung und mit vier Küken vorkommt, sind die älteren - sie sollen laut Pelikan nur bis zum Jahr 1938 benutzt worden sein - In diesem Jahr, zum hundertjährigen Bestehen der Firma, wurde von O.H.W. Hadank ein neues Pelikan-Logo entworfen, das auf jüngeren Dosen zu sehen ist. Wie schnell die Umstellung bewerkstelligt wurde, ist nicht bekannt. Nach einer Auskunft des Pelikan-Archivs hat die Firma nach dem Kriegbeginn im Jahr 1939 kein Bakelit mehr benutzt - wonach unsicher ist, ob überhaupt Dosen mit dem neuen Logo existieren, die vor 1945 entstanden sind. Die Dosen mit dem jüngeren, großen Pelikan-Logo wurden nachweislich bis Mitte der 50er Jahre benutzt. |
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PELITE Handelsname für Bakelit der Firma W. G. Petersen und Co. in Wandsbeck. |
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PERGOLIT Handelsname für Bakelit. Der Hersteller ist nicht bekannt. |
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PERLOID Perlmuttersatz der Celluloidfabrik Eilenburg. |
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PERMANIT Handelsname für Bakelit der Firma Erich Wippermann in Halver. |
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PETESTOFF Handelsname für Bakelit. Der Hersteller ist nicht bekannt. |
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PFLEGE Frühe Kunststoffe sind empfindlich - besonders halbsynthetische und organische Stoffe wie Guttapercha, Ebonit oder Zelluloid. Antiquitäten aus Kunststoff sollten kühl und dunkel gelagert und nur mit handwarmem Seifenwasser gewaschen werden. werden. Bakelit ist unproblematisch - es erweist sich als sehr robust gegenüber Verfallsprozessen, dunkelt allerdings nach, wenn es dem Licht ausgesetzt ist. Gefährlich für das Bakelit sind vor allem mechanische Belastungen, die schnell zu Kratzern, Rissen oder Brüchen führen. Bakelitoberflächen, die durch jahrzehntelangen Gebrauch unansehnlich geworden, oder auch kleine Beschädigungen am Rand können durch geeignete feine Poliermittel (z.B. feines Schleifpapier, Stahlwolle, Autopolitur, Zahnpasta) wiederhergestellt werden. Für das Abbeizen lackierter Bakelitobjekte empfehlen wir den Universal-Abbeizer der Molto GmbH in Löhnberg/Lahn. International renommierte Kunststoff-Restauratoren tauschen sich über den Newsletter MMC (Modern Materials Concervation) des International Council of Museums Committee for Conservation (ICOM-CC) aus. |
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PHENOPLASTE Sammelbezeichnung für phenolhaltige Kunststoffe wie das Bakelit. |
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PLEXIGLAS Hochwertiger, transparenter Kunststoff (organisches Glas), chemisch ein Polymethacrylsäureester. Erster Hersteller war die Firma Röhm und Haas in Darmstadt, gegründet im Jahr 1907. Sie ist heute Teil der Degussa AG. Die theoretische Grundlage der Plexiglas-Produktion war die Dissertation Otto Röhms von 1901 über Polymerisationsprodukte der Acrylsäure. Plexiglas wurde erstmals 1928 im Labor hergestellt. Bald fanden die Forscher eine Methode, das Material zwischen zwei Glasscheiben zu gießen und so Platten zu erzeugen. Das Material wurde im Jahr 1933 markenrechtlich registriert, 1934 begann die Produktion von Platten etwa in DIN A 4-Größe. Erste Anwendungen waren Abdeckgläser, Uhrengläser und Gläser für Schutzbrillen. Im Jahr 1935 gelang es, die Plattengröße zu erhöhen. Außerdem wurden Plexiglas-Spritzgussmassen entwickelt. Seit 1936 war man in der Lage Plexiglas zu bearbeiten - zuerst durch Umformen und spanabhebende Verfahren. Gebogene Scheiben wurden in Stromlinienautos und dann auch in Flugzeugkanzeln eingebaut. Aus Abfall-Randstreifen ließen sich durch Sägen, Schleifen, Umformen Küchenbestecke wie Buttermesser oder Eierlöffel herstellen. 1937 stellte Röhm & Haas auf der Weltausstellung in Paris das Plexiglas vor; zu sehen war damals auch eine durchsichtige Geige. Einige Jahre später war die Industrie in der Lage, andere transparente Kunststoffe im Spritzgussverfahren zu erzeugen. Plexiglas blieb aber als hochwertiger, aber eben auch hochpreisiger Werkstoff, unter anderem für durchschienende Werbeschilder, bis heute in Verwendung. Firmen-Website: www.roehm.de |
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PLIORIT Handelsname für Edelkunstharze der Dr. Kurt Albert GmbH in Amöneburg/Wiesbaden-Biebrich. |
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POLDIT Handelsname für Bakelit und andere Kunststoffe der Firma Leopold Kostal in Lüdenscheid. |
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POLLOPAS Handelsname für ein Harnstoffharz der Firma Troplast in Troisdorf, damals Teil des Dynamit-Nobel-Konzerns. Die Rezeptur erlaubte bereits in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre eine bunte und helle Farbpalette, die keine Wünsche offen ließ. Beliebte Farbtöne waren Blond (sic!), Hellgelb, Orange, Rosa, Karminrot, Hellgrün oder Hellblau. Pollopas war dreimal so teuer wie das Bakelit (Kurt Brandenburger, Kunststoffauswahl, 1937, Seite 54). Der Nobel-Konzern ließ in Troisdorf eine eigene breite Produktpalette hervorragend gestalteter Gebrauchsartikel fertigen, die unbedingt zu den modernsten und schönsten Kunststoffartikeln ihrer Zeit gerechnet werden müssen. Kataloge aus der Mitte der dreißiger Jahre zeigen eine reiche Auswahl gut gestalteter Tassen, Teller, Eierbecher, Menagen, Bestecke, Dosen, Schalen und Tabletts, ja sogar ganzen Picknickkoffern voll mit Pollopas-Artikeln. Sie sind in der Regel, aber nicht immer, mit Pressmarken (pollopas, tp oder Variationen davon) gekennzeichnet. Als Rohmasse wurde der Werkstoff an viele andere Presswerke geliefert. Doch die militärisch ausgerichtete Planwirtschaft der Nazis verlor mit den Kriegsvorbereitungen das Interesse an Gebrauchsgütern. Sehr rasch mit dem Kriegseintritt kam die Pollopas-Produktion für zivile Zwecke zum Erliegen. Im Troisdorfer Pollopas-Werk wurden nun keine Eierbecher und Geschirrteile mehr hergestellt, sondern selbstdichtende Flugzeugtanks und Propeller aus harzgetränktem Hartholz fabriziert. |
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POLYETHYLEN Polymer aus Ethylen, das unter extremem Druck hergestellt wird (um die 4000 bar) und im Jahr 1933 erstmals in England hergestellt wurde. Besonders in den fünfziger Jahren wurde es für zahlreiche Haushaltsgegenstände verwendet. Typisch ist die wachsartige Oberfläche. Durch die gute thermische Verwertbarkeit (es entstehen keine hochgiftigen Verbindungen bei der Verbrennung) werden heute z.B. Einkaufstüten daraus produziert. |
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POLYSTYROL Kunststoff aus Styrol, der besonders in den fünfziger Jahren als Rohstoff für Spritzgussprodukte, wie Schalen, Dosen, Eierbecher, Kleiderbügel und Löffel Verwendung fand. Typisch ist der blecherne Klang. Am Boden der Gefäße ist meist eine Einspritznarbe sichtbar, es sei denn, sie ist herausgeschliffen. Polystyrol kann farbig und auch glasklar hergestellt werden. |
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PONCET |
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POUVA Markenbezeichnung für Kameras und Projektoren des Betriebes Karl Pouva, Freital. Deutsche Demokratische Republik (DDR). Nachkriegsware. Der häufig auftauchende Filmstreifenprojektor wurde seit 1946 bis etwa 1989 in kaum veränderter Form hergestellt, zunächst aus alten Gasmaskenbehältern, später dann aus Bakelit. |
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PREOLIT Handelsname für Bakelit der Firma J. Preh Junior in Neustadt. |
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PREßMASSE Alte Bezeichnung für duroplastischen Kunststoff. Die Bezeichnung wurde gewählt um sie von den Thermoplasten, die bereits früh als Spritzgussmassen verarbeitet werden konnten, zu unterscheiden. Da man seit etwa 1965 auch Duroplaste im Spritzgussverfahren bearbeiten kann, ist die Bezeichnung hinfällig geworden. |
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PREßPANZER Handelsname für Bakelit der Firma Paul Jordan in Berlin-Steglitz. |
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PRETA Die Marke steht für VEB Presswerk Tambach, eine Fabrik in der ehemaligen DDR. Von Ende der 60er bis in die 70er Jahre wurden hier ineinander stapelbare Geschirre aus dem Kunststoff Meladur (ein Melaminkunststoff) hergestellt. Vorher wurde Meladur im VEB Presswerk Spremberg verarbeitet. |
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PROTOLIT Handelsname für Bakelit der Österreichischen Siemens-Schuckertwerke in Wien. |
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PS Pressmarke der Firma Paul Schnake (danach P/S Kunststoffwerke AG) in Schöppenstedt, die spätestens seit dem Jahr 1938 Bakelit zu Geschirr, Schüsseln und Tabletts verarbeitete. Das Unternehmen produzierte in den fünfziger Jahren auch bunte Geschirrteile aus Melamin. In der Umgebung des Werkes tauchen Stücke auf, bei denen die Pressmarke ausgeschliffen ist - dabei handelt es sich um Artikel zweiter Wahl, die offenbar verbilligt verkauft oder an Mitarbeiter abgegeben wurden. |
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PVC Abkürzung für: Polyvinylchlorid. PVC wird in der Hauptsache aus Kalk, Kohle, Wasser und Salz gewonnen. Im Ofen werden Kohle und Kalk zu Kalziumkarbid zusammengeschmolzen, aus dem dann unter Zusatz von Wasser das Azetylengas entsteht. Aus dem Salz wird durch Elektrolyse zunächst Chlorwasserstoff (Salzsäure) gewonnen. Wird nun das Azetylen mit dem Chlorwasserstoff vereinigt, entsteht das Gas Vinylchlorid, das durch Polymerisation zum PVC wird. Das Material kann durch Zuschlagstoffe hart oder elastisch gemacht und auch gefärbt werden. Wenn PVC verbrennt, entstehen hochgiftige Dioxine und Furane, auch die enthaltenen Weichmacher (z.B. in Kinderspielzeug) stellen eine hohe Gefahr dar. Die PVC-Synthese wurde erstmals in den Jahren 1838/39 (nach anderen Quellen schon1835) durch den Lyoner Chemiker Henri Victor Regnault (1810-1878) beschrieben. Ihm gelang auf dem Umweg über Dichlorethan die Anlagerung von Chlor an Ethylen. Ein Gemisch aus Dichlorethan und alkoholischer Kalilauge setzte er vier Tage dem Sonnenlicht aus und stellte fest, dass sich ein weißes Pulver absetzte, das erste PVC. Den Polymerisationsprozess klärten im Jahr 1912 die Chemiker Fritz Klatte und E. Zacharias (Beschäftigte der chemischen Fabrik Griesheim-Elektron bei Frankfurt) auf. 1913 ließen sie sich das technische Verfahren schützen, monomeres Vinylchlorid durch Anlagerung von Chlorwasserstoff an Azetylen herzustellen. Dazu erhielten sie bereits das Patent über die Herstellung über die Polymerisation des Vinylchlorids und bestimmte Anwendungen des PVC - der Erste Weltkrieg ließ das Projekt aber ruhen. Erst in den zwanziger Jahren führte die Entwicklung technischer Polymerisationsverfahren zum Erfolg. Damals investierten sowohl Deutschland als die USA gewaltige Summen in die Entwicklung kriegswichtiger Kunststoffe. Dabei ging es vor allem um synthetisches Gummi, aber auch um eine industrietaugliche PVC-Synthese. In den USA forschte seit 1926 Waldo Lonsbury Sermon für die Firma BFGoodrich (www.bfgoodrichtires.com) zu diesem Problem, in Deutschland vor allem Chemiker der IG Farbenindustrie in den Werken Rheinfelden, Bitterfeld und Ludwigshafen. Bevor es gelang, PVC rein zu verarbeiten, waren Polymerisate aus mehreren Grundstoffen in Gebrauch, sogenannte Mischpolymerisate. In Deutschland setzte man zunächst auf teure Mischungen aus Acrylsäurenitril und Acrylsäuremethylester. Bald gelang es aber, das Acrylsäurenitril durch das deutlich billigere Vinylchlorid zu ersetzen. Der Amerikaner E.W. Reid von der Carbide and Carbon Chemical Company ließ sich 1924 ein Mischpolymerisat aus Vinylchlorid und Vinylazetat patentieren - fast gleichzeitig gelang es in Deutschland bei der IG Farben durch die Vorarbeiten von Walter Reppe, der sich mit dem gefährlichen komprimierten Acetylengas befasst hatte, eine nahezu identische Verbindung herzustellen. Im Jahr 1926 hatte die Firma Griesheim-Elektron ihre alten Patente freigegeben und damit eine breite Forschung ermöglicht. Eine neue Generation von Mischpolymerisaten (MP-Produkte, entwickelt unter Hans Fikentscher) kam unter dem Namen Troluloid auf den Markt, die Marke sollte an die Zusammenarbeit der Chemiestandorte Troisdorf und Ludwigshafen (Werke der Dynamit AG und der IG Farbenindustrie) erinnern, die beide an der Versarbeitung und Entwicklung beteiligt waren. Hergestellt wurden aus dem MP-Material unter anderem Kabelisolierungen, Fußbodenbeläge und Folien. In der Mitte der dreißiger Jahre fand man heraus, dass bei einer Reaktionstemperatur von etwa 160 Grad Celsius auch reines Polyvinylchlorid zu mechanisch guten Produkten verarbeitet werden konnte - das PVC hatte seine größten Geheimnisse preisgegeben. Aus nachchloriertem PVC (PC-Material oder PeCe-Material, für "Polyvinylchlorid chloriert") entstand in den dreißiger Jahren im IG-Farben-Werk Bitterfeld die erste Kunstfaser in Deutschland, die PeCe-Seide. (C. Schönburg und G. Wick). Dazu wurde PVC in Aceton aufgelöst und nachträglich mit Chlor behandelt. Für ein modernes Verarbeitungsverfahren für PVC, das ohne Druck (durch Walzwerke oder Extruder) auskam, waren die Arbeiten von Erich Escales wegweisend. In Deutschland wurde das frühe PVC unter dem Namen Igelit bekannt, einer Marke der damaligen I.G. Farben. Der "Kunststoff-Wegweiser" (Berlin, 1937), eine Veröffentlichung zur Ausstellung Achema VIII in Frankfurt, führt die "Vinylpolymerisate" Astralon und Mipolam auf, Produkte der Dynamit AG in Troisdorf, - Astralon wird ausdrücklich als "neuer Kunststoff" bezeichnet -, daneben "für Lackzwecke" die nicht härtbaren Vinylpolymerisate Olovin, Vinnapas und Vinol, Produkte der Dr. Alexander Wacker GmbH, München; für die IG Farben entsprechend Mowilith und Oppanol (beide nicht härtbar). Kurt Brandenburger bezeichnet im "Kunststoffratgeber" (Essen, 1939) Mipolam (das sich "von halbharter bis lederweicher Beschaffenheit" herstellen lasse)und Igelit (Igelite) allerdings als "Mischpolymerisate". Weiter nennt er die Folie Vinifol (ein Vinylchloridpolymerisat), und den Pressstoff Luvican (Polyvinylcarbazol). Das Jahr 1938 markiert den Beginn der industriellen Herstellung, in diesem Jahr nahm im Werk Bitterfeld der IG Farbenindustrie eine Produktionsanlage mit einer Monatsleistung von 120 Tonnen den Betrieb auf. Damals sollen, so Rudolf Gäth in dem Werk "Kunststoff - ein Werkstoff macht Karriere" (München 1985, ohne Quellenangabe) in Deutschland insgesamt etwa 1800 Tonnen Vinychlorid-Polymerisate hergestellt worden sein. Der größte Teil der Produktion dürfte für Rüstungsgüter und Industriezwecke benutzt worden sein. Erst in den fünfziger Jahren wurden in Deutschland zahlreiche Gebrauchsartikel aus PVC (oft mit zugesetzten Weichmachern) hergestellt, u.a. für Kunstleder, Spielzeug, Verpackungen und Haushaltsgeräte. Bis heute wird das Material PVC universell eingesetzt - rund 60 Prozent aller Kunststoffrohre werden aus PVC gefertigt. Weitere Handelsnamen sind Hostalit (Hoechst), Mipolam (Dynamit Nobel), Vinoflex (BASF), Vinnol (Wacker), Solvic (Solvay). |
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