MAMELADENTöPFE Seit den 30er Jahren kamen Marmeladentöpfe auf den Markt, zu denen in der Regel ein Unterteller, ein Löffel und ein Deckel aus Kunststoff gehören - der Topf selbst ist aus Glas, oft farbig bemalt mit Punkten oder Blumenmotiven. Diese Töpfe wurden auch noch in den frühen fünfziger Jahren verkauft, so dass es schwierig sein kann, das Alter eines Stückes genau zu bestimmen. Die Stücke der dreißiger Jahre sind sicher deutlich höher zu bewerten als jüngere Nachkriegsware.
MARGARINEFIGUREN Etwa ab dem Jahr 1950 brachten die deutschen Margarine-Produzenten und auch Hersteller anderer Produkte neben Sammelalben eine Vielzahl von kleinen hellen Kunststoffiguren auf den Markt, die beim Kauf einer bestimmten Margarinesorte (Fri-Homa, Wagner; Eifein, um nur einige zu nennen) als Zugabe verteilt wurden. Ähnliche, zum Teil identische Figuren gab es auch in anderen europäischen Ländern. Die Figuren-Mode hatte in Deutschland um das Jahr 1956 ihren Zenit überschritten - einige Fabriken verkauften ihre Restbestände in den folgenden Jahren als reguläres Spielzeug. Die Figuren bestehen aus Polystyrol, das Material, aus dem durch Aufschäumen mit Luft das bekannte Styropor gemacht wird. Einfache Figuren werden heute in einwandfreiem Zustand mit 1 bis 2 Euro bewertet, einige ausgefallene und seltene Stück mit bis zu 50 Euro. Der Sammler Peter Konrad hat einen umfangreichen illustrierten Preiskatalog zusammengestellt. Dieses Standardwerk (5. Auflage) kostet 110 Euro und kann bezogen werden über: Verlag Peter Konrad GmbH & Co KG, Postfach 163, D-42760 Haan. Telefon: (02129) 95 94 40. kann auf der Website www.margarinefiguerchen.de bestellt werden - zum Preis von 110 Euro.
MARGOLIT Handelsname für Bakelit der Vereinigten Isolatoren-Werke in Berlin-Pankow.
MATIT Handelsname für Bakelit der Firma Ernst Maté in Wien.
MAWIN Handelsname für Bakelit. Der Hersteller nicht bekannt.
MELAMIN-KUNSTSTOFFE Kunststoffe, ähnlich den Harnstoff-Harzen, die seit den dreißiger Jahren für Geschirr und Haushaltsartikel verwendet wurden. Melamin-Harze sind Duroplaste.
MELLIT Handelsname für Bakelit der Firma Jos. Mellert in Bretten.
MELOPAS Handelsname für Melamin-Kunststoff der Ciba AG in Wehr.
MILITARIA Kunststoffe wurden sehr früh für militärische Zwecke eingesetzt. Das neue Material war billig, vielseitig, leicht und relativ unempfindlich. Zudem eignete es sich für die Massenproduktion. So kam es, dass bereits im amerikanischen Bürgerkrieg zahlreiche Artikel aus Hartgummi (Ebonit) zur Ausstattung der Soldaten gehörten, darunter faltbare (aus mehreren Ringen gearbeitete zusammenschiebbare) Trinkbecher. In Europa spielten natürliche oder halbsynthetische Kunststoffe zu dieser Zeit noch keine bedeutende Rolle, und selbst im 1. Weltkrieg sind sie kaum zu finden. Das änderte sich dramatisch im 2. Weltkrieg. Kunststoffe, besonders das billige Bakelit, wurden von allen Kriegsparteien für eine Fülle von Ausrüstungsgegenständen eingesetzt, von Deutschland unter anderem zu militärischen Verpackungen (Zünderdosen), für Ausrüstungsgegenstände (Taschen- und Handlampen, Fettbehälter, Feuerzeuge) auch für metallfreie Minen und Waffenteile - von Pistolengriffschalen bis hin zu Zünderersatz-Schrauben. Kunststoffe spielten eine wichtige Rolle bei Neuentwicklungen der Rüstungsindustrie (etwa Plexiglas für transparente Flugzeugkanzeln). Nicht für die Kriegsführung setzten die Nazis auf Kunststoffe, sondern auch in der Propaganda und im staatlich gelenkten Devotionalienhandel. So kam zur Olympiade in Berlin im Jahr 1936 ein etwa DIN-A4-großes Kunststoffmodell des "Reichssportfeldes" in Berlin heraus, und bei den Sammelfiguren des Winterhilfswerkes (WHW), die zum festen Bestandteil der Alltagskultur im Nazistaat wurden, waren neben Holz, Glas, Leder, Stoff und anderen Werkstoffen Kunststoffe ein beliebtes Material. Beim Umgang mit militärischen Verpackungen und anderen Ausrüstungsgegenständen aus oft minderwertigen Harzmischungen rät Sintetica zur Vorsicht wegen möglichen Freiphenolen (siehe Eintrag Gesundheit). Erwerben Sie Zünder, Minen und ähnliches nur aus vertrauenswürdigen Quellen. Stellen Sie sicher, dass diese Stücke entschärft (demilitarisiert) sind und der Besitz nicht gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstößt.
MIPOLAM Vinyl-Polymerisat der Dynamit AG in Troisdorf.
MIXIT Handelsname für Bakelit. Verwendung in Telefonbau. Hersteller war die Mix und Genest AG in Berlin-Schöneberg.
MODELITH Kasein-Kunststoff (Kunsthorn). Verarbeitung durch spanabhebende Verfahren. Verwendung für Knöpfe, Schnallen, Galanteriewaren. Hersteller war die Celler Preßwerke GmbH in Celle bei Hannover.
MOUSON Frankfurter Seifen- und Parfümfabrik. Die Vorfahren der Familie Mouson stammten aus dem lothringischen Ort Pont-à-Mousson. August-Friedrich Mouson hatte 1798 in der Breitengasse eine Seifensiederei errichtet, die sein Sohn, Johann-Georg Mouson (1812-1894), als Parfüm-Feinseifen- und Kerzenfabrik zur Weltgeltung führte. Seit den zwanziger Jahren setzte die Firma für die aufwändigen Verpackungen ihrer Waren auch den ersten vollsynthetischen Kunststoff ein - das Bakelit. An diese Zeit erinnert in Frankfurt der Mousonturm, eines der bedeutendsten Zeugnisse expressionistischer Industriearchitektur in Deutschland. Er entstand in den Jahren 1924 und 1925 als Erweiterungsbau auf dem Gelände der Mousonwerke. Nachdem der Betrieb 1972 seine Produktion verlegt und der letzte Arbeiter die Seifen- und Duftfabrik verlassen hatte, wurde das Bauwerk durch den Denkmalschutz vor dem drohenden Abriss bewahrt.
MOWILITH Polyvinylacetat, Verarbeitung in Lösung und Emulsion, Verwendung für Lackzwecke, Sicherheitsglas, Klebstoffe und Versteifungen. Hersteller war die IG Farbenindustrie AG in Frankfurt am Main.